Mariendistel für Pferde: Menge, Dauer und warum du schroten musst
Wie viel Mariendistel ein Pferd bekommt, wie lange eine Kur dauert und warum ganze Samen wenig bringen.
Mariendistel gehört zu den meistgefütterten Einzelkräutern im Pferdestall. Über die Menge herrscht trotzdem erstaunlich wenig Einigkeit. Die Angaben im Handel reichen von 10 bis 70 Gramm am Tag für dasselbe Pferd. Dieser Text sortiert, was sich sagen lässt.
Was Mariendistel überhaupt ist
Die Mariendistel (Silybum marianum) ist ein Korbblütler, der ursprünglich rund ums Mittelmeer wächst. Gefüttert werden nicht Blätter oder Blüte, sondern die Früchte, die umgangssprachlich Samen heißen. In ihnen steckt Silymarin, ein Komplex aus mehreren Flavonolignanen, darunter Silybin, Silydianin und Silychristin.
Silymarin ist gut untersucht, allerdings fast ausschließlich in der Humanmedizin und in Nagerstudien. Kontrollierte Wirksamkeitsstudien am Pferd gibt es praktisch nicht. Wer dir etwas anderes erzählt, hat entweder eine Studie gefunden, die wir nicht kennen, oder er übertreibt.
Die Menge
Die gängigen Fachempfehlungen liegen bei 5 bis 8 Gramm je 100 Kilogramm Körpergewicht für die dauerhafte Fütterung. Für ein 600-Kilo-Warmblut sind das 30 bis 48 Gramm täglich. Für eine intensivere Kur nennen manche Quellen 10 bis 15 Gramm je 100 Kilogramm.
| Pferd | Gewicht | Tagesmenge |
|---|---|---|
| Shetlandpony | 200 kg | 10 bis 16 g |
| Haflinger | 450 kg | 22 bis 36 g |
| Warmblut | 600 kg | 30 bis 48 g |
| Kaltblut | 800 kg | 40 bis 64 g |
Ein gestrichener Esslöffel Mariendistelsamen wiegt etwa 12 bis 15 Gramm. Genau wird es nur mit einer Küchenwaage, und beim ersten Mal lohnt sich das Abwiegen, damit du weißt, wie dein Messlöffel gefüllt aussehen muss.
Warum du schroten musst
Das ist der Punkt, an dem die meisten Kuren scheitern. Mariendistelsamen haben eine harte Schale. Ganz gefüttert wandern sie zu einem großen Teil unverdaut durch das Pferd, und das Silymarin bleibt im Korn eingeschlossen. Geschrotet, gequetscht oder gemahlen ist es dagegen zugänglich.
Der Haken: Sobald die Schale gebrochen ist, kommt das Öl im Korn mit Sauerstoff in Kontakt und wird ranzig. Fertig geschrotete Ware verliert deshalb innerhalb weniger Wochen an Qualität, besonders wenn der Beutel schon offen im warmen Futterraum steht.
Die praktische Lösung: ganze Samen kaufen und die Tagesmenge frisch schroten. Eine kleine Getreidequetsche oder eine handelsübliche Kaffee- oder Gewürzmühle reicht völlig. Das dauert keine halbe Minute.
Wie lange füttern
Üblich ist eine Kur über vier bis sechs Wochen, danach eine Pause. Viele füttern zweimal im Jahr, meist im Frühjahr und nach dem Ende der Weidesaison im Herbst. Manche Quellen setzen eine Obergrenze von zwölf Wochen am Stück.
Eine Dauerfütterung über Monate ist unüblich und aus unserer Sicht auch nicht nötig. Wenn du das Gefühl hast, dein Pferd brauche dauerhaft Unterstützung, ist das ein guter Anlass für ein Gespräch mit dem Tierarzt und nicht für einen größeren Sack.
Anfüttern
Fang mit einem Viertel der Zielmenge an und steigere über sieben bis zehn Tage. Das hat zwei Gründe. Erstens gewöhnt sich die Verdauung an, zweitens akzeptieren viele Pferde neue Bestandteile besser, wenn sie schleichend dazukommen. Bei Verweigerung hilft angefeuchtetes Futter oder ein Löffel Apfelmus in den ersten Tagen.
Was du beachten solltest
- Korbblütler-Allergie: Mariendistel gehört zu den Korbblütlern. Bei bekannter Allergie nicht füttern.
- Trächtige Stuten: Es gibt keine dokumentierten Schadensfälle, die übliche Zurückhaltung ist vorsorglich. Vor der Fütterung mit dem Tierarzt sprechen.
- Turniersport: Mariendistel gilt derzeit als unkritisch. Verbindlich ist immer die aktuelle ADMR-Liste der FN, und verantwortlich für Karenzzeiten ist der Reiter.
- Medikamente: Wenn dein Pferd behandelt wird, gehört die Frage nach Wechselwirkungen zum Tierarzt.
Was wir nicht schreiben
Du wirst auf dieser Seite nicht lesen, dass Mariendistel die Leber entgiftet, Leberwerte senkt oder bei einer bestimmten Erkrankung hilft. Solche Aussagen sind für Futtermittel verboten, und ehrlicherweise gibt die Datenlage beim Pferd sie auch nicht her. Wenn die Blutwerte deines Pferdes auffällig sind, gehört das in tierärztliche Hände. Ein Futtermittel ist dann bestenfalls Begleitung, nie Behandlung.