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Fütterung

Leindotter, Leinsamen, Leinöl: drei Namen, drei verschiedene Dinge

Leindotter ist kein Lein. Der Vergleich mit echten Nährwerten, und warum die Vitamin-E-Werbung in die Irre führt.

03. August 2026 · 7 Minuten Lesezeit

Ölsaaten in Nahaufnahme

Die Namen klingen verwandt, die Pflanzen sind es nicht. Wer im Futterhandel nach Leinprodukten sucht, findet mindestens vier Dinge, die regelmäßig durcheinandergeraten. Hier die Sortierung.

Wer ist wer

Lein, auch Flachs (Linum usitatissimum), liefert Leinsamen und daraus gepresst Leinöl. Der Pressrückstand heißt Leinkuchen.

Leindotter (Camelina sativa) ist eine andere Pflanze aus einer anderen Familie. Lein gehört zu den Leingewächsen, Leindotter zu den Kreuzblütlern, also zur Verwandtschaft von Raps, Senf und Kohl. Der Name kommt daher, dass Leindotter früher als Beikraut in Leinfeldern wuchs.

Das ist keine Wortklauberei. Die Verwandtschaft bestimmt die Inhaltsstoffe. Als Kreuzblütler enthält Leindotter Glucosinolate, die Lein nicht hat.

Die Nährwerte im Vergleich

LeindotterLeinsamen
Rohproteinrund 25 %rund 21 %
Rohfettrund 38 %rund 44 %
Alpha-Linolensäure (Omega-3)rund 36 % der Fettsäurenrund 58 %
Linolsäure (Omega-6)rund 18 %rund 14 %
Verhältnis Omega-3 zu Omega-6etwa 2:1etwa 4:1

Werte aus einer vergleichenden Laboranalyse roher Samen beider Arten.

Zusammengefasst: Leinsamen liefert mehr Omega-3, absolut betrachtet. Leindotter hat mehr Eiweiß und ein ausgeglicheneres Verhältnis der beiden Fettsäurefamilien. Wer schlicht die höchste Omega-3-Menge sucht, ist bei Leinsamen richtig.

Die Sache mit dem Vitamin E

Über Leindotter kursiert die Aussage, er enthalte vier Mal so viel Vitamin E wie Lein. Diese Zahl stammt aus der Werbung für Leindotteröl im Vergleich zu Leinöl und wird oft auf die Samen übertragen. Beim genaueren Hinsehen fällt sie in sich zusammen, und zwar aus zwei Gründen.

Erstens ist Vitamin E kein einzelner Stoff. Der Begriff fasst acht verwandte Verbindungen zusammen, darunter alpha-, beta-, gamma- und delta-Tocopherol. Für den Körper zählt praktisch nur das alpha-Tocopherol. Die Leber hat ein Transportprotein, das gezielt alpha-Tocopherol aufgreift und in den Blutkreislauf zurückgibt. Gamma-Tocopherol wird dagegen zum größten Teil abgebaut und ausgeschieden.

Zweitens besteht das Tocopherol im Leindotter fast vollständig aus gamma-Tocopherol. In der Laboranalyse sind es rund 405 von 412 Mikrogramm pro Gramm, also über 98 Prozent. Beim wirksamen alpha-Tocopherol dreht sich der Vergleich sogar um: Leindottersamen enthalten davon deutlich weniger als Leinsamen.

Ein Labor, das schlicht die Summe aller Tocopherole misst, kann also korrekt einen hohen Wert ausweisen. Für die Vitamin-E-Versorgung des Pferdes sagt diese Summe wenig.

Dazu kommt die Menge. Ein 600-Kilo-Pferd braucht im Erhaltungsbedarf grob 600 Milligramm Vitamin E am Tag. Sechzig Gramm Leindottersaat sind, egal wie man rechnet, kein nennenswerter Beitrag zu dieser Größenordnung.

Wofür das gamma-Tocopherol trotzdem gut ist

Es wirkt als Antioxidans im Korn selbst. Genau deshalb ist Leindotteröl deutlich lagerstabiler als Leinöl, das bekanntlich schnell ranzig wird. Das ist eine echte Produkteigenschaft, sie betrifft nur die Haltbarkeit und nicht die Versorgung des Pferdes.

Ein Punkt, den man wissen muss: Öl erhöht den Vitamin-E-Bedarf

Wer Öl oder ölhaltige Saaten füttert, erhöht den Bedarf an Vitamin E, weil mehrfach ungesättigte Fettsäuren im Körper vor Oxidation geschützt werden müssen. Fachliche Empfehlungen liegen bei 100 bis 200 Milligramm zusätzlichem Vitamin E je 100 Milliliter Öl.

Das gilt für jede Ölfütterung, ob Leinöl, Leindotter oder Sonnenblumenöl. Wer größere Ölmengen füttert, sollte die Vitamin-E-Versorgung der Gesamtration im Blick behalten. Bei den kleinen Mengen einer Saatenfütterung ist der Effekt gering, aber er zeigt, warum ein Vitamin-E-Versprechen an dieser Stelle nicht trägt.

Samen, Öl oder Presskuchen

Öl liefert die Fettsäuren konzentriert, aber kein Eiweiß und keine Rohfaser. Es wird schnell ranzig und muss kühl und dunkel stehen.

Presskuchen ist der entölte Rückstand: viel Eiweiß, weniger Fett, gut lagerfähig. Im Pferdemarkt ist das die häufigste Leindotter-Form.

Ganze Saat bringt beides mit, Fett und Eiweiß, und ist im ungeöffneten Korn am längsten haltbar. Der Haken: Leindottersamen sind nur ein bis zwei Millimeter groß. Ganz gefüttert passieren sie den Verdauungstrakt zum großen Teil unverändert. Sie müssen gequetscht, geschrotet oder eingeweicht werden, und zwar tagesfrisch, weil geschrotete Ölsaat schnell verdirbt.

Was zu beachten ist

  • Geschmack: Leindotter schmeckt kresse- bis lauchartig. Manche Pferde brauchen Zeit. Langsam anfüttern, eingeweicht wird es meist besser angenommen.
  • Quellverhalten: Mit Wasser entsteht eine gallertartige Konsistenz. Das ist normal.
  • Glucosinolate: Als Kreuzblütler enthält Leindotter Glucosinolate. In den üblichen Fütterungsmengen ist der Abstand zu bedenklichen Werten groß, anders als bei Raps fehlt zudem der Vorläufer für Goitrin.
  • Für Menschen: Beim Umgang mit Leindotter sind vereinzelt Hautreizungen beschrieben. Wer empfindlich reagiert, trägt Handschuhe.

Und was ist mit Leinkuchen im Fertigfutter

Leinkuchen taucht in vielen Ergänzungsfuttern als Hauptbestandteil auf, oft mit über einem Viertel Anteil, während das namensgebende Kraut mit wenigen Prozent dabei ist. Das ist nicht verboten und auch nicht per se schlecht, es lohnt sich nur, die Zusammensetzung zu lesen. Bei Ergänzungsfuttermitteln stehen die Bestandteile in absteigender Reihenfolge nach Gewicht. Was oben steht, macht den größten Teil aus.

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